Hallo, ich bin zur zeit echt unzufrieden mit meiner Ausbildung. Ich zähle einfach mal alles auf: 1) Ausbilder 1-2 mal im Monat da, ansonsten ist er nur über Telefon zu erreichen. Er arbeitet von zuhause... 2) Bin eigentlich 60 % am Tag damit beschäftigt Service anrufe abzuarbeiten. (BSP: Monitor geht nicht -> stecker locker) Wenn es mal ein größeres Problem ist übernimmt es der "Homeworker" oder gibt uns stupide Anweisungen zum durchtesten... 3) bekomme ich dann mal etwas zu tun, wird mir etwas vor die Nase geschmissen und es heisst ja schau dir das in dem und dem projekt an wie es dort gemacht wurde und dann bekomm ich noch manchmal ein buch in die Hand gedrückt... 4) keine Mittagspause!!! Wenn jemand zum Lebensmittelhändler geht dann nur 1 der allen was mitrbingt und der Rest bleibt brav am PC sitzen. Gegessen wird auch nur hastig am PC. Gemeinsame Mittagspause die wie ich finde für das Betriebsklima gut ist gibt es nicht. 5 Minuten frische Luft schnappen (nicht rauchen) wird mit einem Anschiss belohnt. Daher sitzen alle 9 Stunden am Tag vorm PC ohne Pause... 5) Jeden Tag eine halbe Stunde länger. Eigentlich ist der vertrag 8 Stunden Arbeit + 30 minuten mittagspause. Sitze aber täglich 9 Stunden dort, ohne Mittagspause wohl gemerkt. Hält man den wirklichen Arbeitplan ein wird man blöd angeschaut, und es kommen solche kommentare wie: Das steht dann im Zeugnis als "er hatte sich stets bemüht..." 6) Ein anderer Azubi hat schon direkt nach seiner Ausbildung gekündigt. also nicht erst nachdem der Arbeitsvertrag fertig war sondern sofort nachdem er die bestandene Abschlussprüfung in der Hand hatte. 7) Werde von den Restlichen 40 % ca 30% am Tag Sekretärs arbeiten benutzt. zB: Lieferscheine schreiben, Dinge aufräumen die unser Chef ausgeräumt hat (also wie nem kleinen Kind hinterher räumen), Anrufe annehmen die dem Chef unangenehm sind. 8) Bezahlung so niedrig wie es vom Gesetz her noch geht. Dazu müssen wir uns solch gehässige Kommentare anhören wenn neue PC Hardware kommt, wie: "Haha da müsst ihr lange drauf sparen was? haha" 9) Man wird alleine zum Kunden rausgeschickt ohne Ausbilder! Der is natürlich nur über Telefon zu erreichen. 10) Ich hatte bei meinem Betrieb ein praktikum gemacht in dem der Ausbilder fast täglich da war. Das war so eine tolle Zeit und ich habe in nur ein paar Wochen massig an Dingen gelernt. Das ist jetzt so nichtmehr. Im großen und ganzen bin ich einfach enttäuscht. Ich wusste vorher das man auch mal überstunden macht, das die Bezahlung echt am Minimum ist. Habe mich aber dafür entschieden weil der Ausbilder mir so schien als ob ich bei ihm verdammt viel lernen kann. Könnte ich auch wenn er denn mal da wäre... Was kann ich tun? Ausbildungplatzwechsel scheint mir nicht ganz so einfach. Was wenn das in anderen betrieben genau so ist? Was wenn ich die Probezeit nicht überstehe im neuen Betrieb. Habe das 2te Lehrjahr erst begonnen. Wollte auch wenisgtens das letzte halbe Jahr verkürzen, was aber von meinem Arbeitgeber zwar als kein problem im Bewerbungsgespräch dargestellt wurde Sie sich jetzt aber eher dagegen aussprechen. Da frage ich mich warum? Schulnotenschnitt: 1,4 Ich fühle mich einfach als billige Servicekraft die alle 3 Monate mal ein kleines Tool programmieren darf das einen Zeitaufwand von ca 5 Stunden hat. Gruss Michael
Hallo Michael,
das klingt nach einer Menge Frust.
Wenn Dir ein Ausbildungsplatzwechsel zu kompliziert ist, so versuche doch wenigstens Deinen Verlängerungswunsch durchzusetzen.
Wenn du überdurchschnittliche Leistungen während der Ausbildung - insbesondere in der Zwischenprüfung - erbringst, kannst du bei der zuständigen Stelle (siehe Stempel auf Deinem Ausbildungsvertrag) einen Antrag auf Ausbildungszeitverkürzung stellen (§ 45 Berufsbildungsgesetz). Für den Antrag reicht in der Regel die Note 3 in allen prüfungsrelevanten Fächern! Die zuständige Stelle befragt dann deinen Ausbilder und die Berufsschule, ob sie dem Antrag zustimmen. Dann entscheidet die zuständige Stelle, und du erhältst einen Bescheid. Leider richten sich die Entscheidungen über eine Lehrzeitverkürzung oft nach der Meinung deines Ausbilders und dummerweise wollen Betriebe ihre besten Azubis selten früher ziehen lassen! Trotzdem: Falls du in der Zwischenprüfung überdurchschnittliche Ergebnisse hast, solltest du sofort den Antrag stellen! Gegen einen ablehnenden Bescheid kannst du gemeinsam mit deiner Gewerkschaft Widerspruch einlegen.
Du hast als Azubi natürlich neben Pflichten auch Rechte, die im Berufsbildungs- bzw. Arbeitszeitgesetz festgehalten sind. Wende Dich umgehend an Deine zuständige Stelle und berichte von den Missständen im Betrieb. Die Stelle ist dazu da die Ausbildungsqualität zu überprüfen bzw. die Einhaltung der geltenden Gesetze. Wenn Du dort keine Unterstützung findest, wende Dich an Deine Gewerkschaft IG Metall. Hier nur ein paar kurze Hinweise zu den von Dir angesprochenen Dingen:
1. Die tägliche Höchstarbeitszeit liegt bei acht Stunden (§3 Arbeitszeitgesetz). Sie kann aber zeitweise auf zehn Stunden verlängert werden.
2. Auch bei Azubis über 18 Jahren muss die Arbeitszeit durch im Voraus feststehende Pausen unterbrochen werden. Die Pause muss bei einer Arbeitszeit von mehr als sechs Stunden mindestens 30 Minuten lang sein, bei einer Arbeitszeit von mehr als neun Stunden mindestens 45 Minuten. Du darfst nicht länger als sechs Stunden ohne Ruhepause beschäftigt werden (§4 Arbeitszeitgesetz). In der Pause kannst Du machen was Du möchtest. Es empfiehlt sich sogar den Arbeitsplatz ganz zu verlassen, um frische Luft zu schnappen.
3. Falls du regelmäßig Überstunden machen musst, die dir nicht ausbezahlt oder in Freizeit ausgeglichen werden, schreibe sie dir genau auf und schreibe auch dazu, was du gemacht hast bzw. wo und mit wem. Du kannst die Überstunden nämlich auch rückwirkend geltend machen, eventuell sogar nach dem Ende deiner Ausbildung. Bei deiner Gewerkschaft kannst du erfahren, wie lange du deine Überstunden rückwirkend fordern kannst, bevor sie dir verfallen.
4. Für jeden Beruf gibt es einen Ausbildungsrahmenplan, in dem genau festgelegt ist, was du wann lernen sollst. Mit deinem Ausbildungsvertrag solltest du zudem einen betrieblichen Ausbildungsplan erhalten haben. Dort steht genau drin, was du wo und bis wann in welcher Abteilung an Ausbildungsinhalten zu durchlaufen hast. Der Plan bietet dir und deinem Vorgesetzten eine Kontrolle über das, was du lernen sollst. Auf ihn kannst du dich berufen. Sprich mit deinem Ausbilder. Erkläre ihm auch in einer ruhigen Minute deine Situation und wie du dich behandelt fühlst. Du hast ein Recht auf eine qualitativ ansprechende Ausbildung. Das hat dein Ausbildungsbetrieb mit seiner Unterschrift unter den Vertrag bestätigt.
5. Du darfst nicht alleine sein. es muss immer ein ausbilder oder ein ausbildungsbeauftragter anwesend sein, sonst kann keine ausbildung stattfinden!
6. ausbildungsfremde tätigkeiten haben in der ausbildung nichts zu suchen. falls sie überhand nehmen, kannst du den betrieb auf schadensersatz verklagen.
Hier der Kontakt zur IG Metall:
IG Metall
Verwaltungsstelle Karlsruhe
Ettlinger Str. 3 a
76137 Karlsruhe
Tel: 0721/93115-0
da kannst du einfach anrufen und nach deinem jugendsekretär fragen und auch ruhig sagen, dass du von dr. azubi kommst....
liebe grüße,
dr. azubi
p.s. bitte empfehle unseren service weiter!