Servus Dr. Azubi!
Ich bin nu im 7. Monat meiner Ausbildung und muss sagen, solangsam schlägt man aufm Asphalt des Alltags auf.
Erstmal kurz zu mir: bin 20, Abitur, und letztes Jahr hab ich mich für eine Ausbildung vorm Studium entschieden, weil ich dachte man würde mit dem praktischen Weg mehr Einblicke kriegen und trotzdem sehr viel lernen.
Bin nun in einer größeren Wirtschaftsprüferkanzlei als Steuerfachangestellterazubi. Sitze dort sinnigerweise in der Steuerabteilung, wo eigentlich alle Mitarbeiter in dieser Abteilung vorher dort auch Ausbildung gemacht haben (selbst meine Ausbilderin).
Soweit alles gut. Nur hab ich das Gefühl ich lerne nicht grade viel in meine Ausbildung, und die Ausbildung ist eher so angelegt, dass die "Ausbildungsvergütung" einfach nen Hungerlohn ist für den man die ganzen Aufgaben machen muss, die sonst keiner machen will. Ich bin zuständig für Kaffee kochen, Bank- und Postwege, Briefe schreiben, Drucker und Schränke auffüllen, Ergänzungslieferungen einsortieren und so weiter. Dazu kommen feste produktive Tätigkeiten, wie Buchhaltungen für die Mandanten im PC erfassen und Lohnauswertungen machen, die jedoch auch jeden Monat gleich sind.
Insgesamt hab ich das Gefühl, dass ich da einfach ne ziemlich billige Arbeitskraft bin.
Nun hab ich vor ein paar Tagen nochmal etwas depremiert in meinen Ausbildungsvertrag geschaut und darin steht "Der Ausbildende verpflichtet sich, dem Auszubildenden nur solche Aufgaben zu übertragen, die dem Ausbildungszweck dienen...".
Widerspricht sich dann nicht der Arbeitsalltag extrem diesem Grundsatz in meinem Ausbildungsvertrag? Und sollte ich mein Recht, bzw die Pflicht des Ausbildenden einfordern und bestimmte Tätigkeiten verweigern mit dem Hinweis auf diesen Absatz im Vertrag?
Will mir zwar dort keine Feinde schaffen, nur bin ich dort weil ich eine gute Ausbildung nachm Abitur erhalten wollte und nicht für die andern für ne schmale Vergütung die Drecksarbeit erledigen wollte. Oder geh ich zu naiv an die Sache ran (wobei der Paragraph ja schon sehr eindeutig ist)?
Mit meiner Aubilderin hab ich im Übringen schon über das Thema gesprochen, und ich hatte auch gefragt, ob ich Zeitschriften und ähnliches fachbezogenes auf der Arbeit durcharbeiten und mir erarbeiten dürfte, nur sie meinte daraufhin Arbeit (was sie damit meint: Ergänzungslieferungen die sich bei uns bis an die Decke stapeln) geht immer vor.
Ich hoffe ich hab meine Intention und das was ich gerne von Ihnen wissen möchte verständlich umschrieben.
Schonmal mit besten Dank im Voraus!
Hallo Harald,
für jeden Beruf gibt es einen allgemeinen Ausbildungsrahmenplan in dem genau steht, was du wann in deiner Ausbildung lernen sollst. Außerdem muss deinem Ausbildungsvertrag ein betrieblicher Ausbildungsplan angefügt werden, in dem der Verlauf deiner Ausbildung in deinem Betrieb aufgezeigt wird. Der Plan bietet dir und deinem Vorgesetzten eine Kontrolle über das, was du lernen sollst. Auf ihn kannst du dich berufen. Sprich mit deiner Ausbilderin. Erkläre ihr auch in einer ruhigen Minute deine Situation und wie du dich behandelt fühlst. Du hast ein Recht auf eine qualitativ ansprechende Ausbildung. Das hat dein Ausbildungsbetrieb mit seiner Unterschrift unter den Vertrag bestätigt.
Der Ausbilder darf dir nur Arbeiten auftragen, die dem Ausbildungszweck dienen (§14 Berufsbildungsgesetz). Leider passiert es relativ häufig, dass Auszubildende mit ausbildungsfremden Tätigkeiten beauftragt werden. Ausbildungsfremde Tätigkeiten sind Arbeiten, die nicht dem Ausbildungszweck dienen und sie sind verboten. Auch unnötige Wiederholungen bereits gelernter Fähigkeiten - sogenannte ausbildungsfremde Routinearbeiten - dienen nicht dem Ausbildungszweck.
Einige Beispiele für ausbildungsfremde Tätigkeiten:
regelmäßiges Putzen, Botengänge, Auto waschen, Rasen mähen usw.
Wenn die ausbildungsfremden Tätigkeiten Überhand nehmen, solltest du dich wehren, denn dann ist das Erreichen deines Ausbildungsziels gefährdet.
Du darfst auch nicht alleine sein. Es muss immer ein Ausbilder oder ein Ausbildungsbeauftragter anwesend sein, sonst kann keine Ausbildung stattfinden!
Wichtig ist, dass Du immer wieder das Gespräch mit dem Ausbilder suchst Orientiere Dich am betrieblichen Ausbildungsplan und weise darauf hin, was Dir für Ausbildungsinhalte noch fehlen.
Liebe Grüße,
Dr. Azubi
P.S. bitte empfehle unseren Service weiter!