Hallo,
ich befinde mich im dritten Ausbildungsjahr der Bauzeichnerausbildung und habe im Mai meine Abschlussprüfung. Meine Ausbildung absolviere ich bei einer Kommune und bin momentan in der Kanalplanung untergebracht.
In meiner Abschlussprüfung muss ich nur theoretische Fragen und Aufgaben zum Kanalbau beantowrten und in der praktischen einen Höhenplan und ein Schnitt durch ein Bauwerk zeichnen.
Gestern meinte meine Ausbilderin zu mir, dass ich in der kommenden Woche im Kanalbetrieb mitarbeiten soll. Quasi als eine Art Praktikum. Ich bin damit aber überhaupt nicht einverstanden und habe auch in meinem Ausbildungsvertrag nicht gelesen, dass ich diese Woche Praktikum machen muss. Ich ekel mich einfach davor und habe keine Lust bei den aktuellen Witterungsverhältnissen den ganzen Tag Regenüberlaufbecken oder Schmutzwasserpumpen sauber zu machen.
Ich denke, dass ich mich so kurz vor meiner Abschlussprüfung wesentlich sinnvoller beschäftigen könnte und will nun wissen ob ich mich weigern kann diese Arbeiten durchzuführen oder ob es irgendeinen friedlicheren Weg gibt die kommende Woche nicht dort arbeiten zu müssen sondern wie bisher Prüfungsvorbereitung zu absolvieren.
Mit freundlichen Grüßen
Marcel
Lieber Marcel,
vielen Dank für deine Anfrage. für jeden Beruf gibt es einen allgemeinen Ausbildungsrahmenplan, in dem genau steht, was du wann in deiner Ausbildung lernen sollst (Ausbildungsordnungen und Rahmenpläne findest du im Netz hier: www.bibb.de/de/26171.htm). Außerdem muss deinem Ausbildungsvertrag ein grober Ausbildungsplan angefügt werden, in dem der Verlauf deiner Ausbildung in deinem Betrieb aufgezeigt wird. Der Ausbilder darf dir nur Arbeiten auftragen, die dem Ausbildungszweck dienen (§14 Berufsbildungsgesetz). Alle Verstöße gegen diese Ausbilderpflicht sind eine Ordnungswidrigkeit und können nach §102 Berufsbildungsgesetz mit einem Bußgeld bis zu fünftausend Euro geahndet werden!
Du solltest unbedingt dafür kämpfen, dass deine Ausbildung nach dem Rahmenplan verläuft, denn sonst ist dein Ausbildungsziel gefährdet.
Ob dieses Praktikum nun unter deinen Rahmenplan fällt kann ich dir nicht verraten, ich kenne mich leider nicht mit allen 350 Ausbildungsberufen in Deutschland aus.
Hier sind ein paar Tipps für dich, was du unternehmen könntest:
1. Bitte deinen Chef um ein Gespräch und erkläre ihm ruhig und sachlich, dass du Angst hast, dein Ausbildungsziel nicht zu erreichen. Am besten nimmst du den Ausbildungsplan mit in das Gespräch. Wenn kein Ausbildungsplan erstellt wurde, solltest du verlangen, dass dies so schnell wie möglich nachgeholt wird. Nenne konkrete Inhalte, die bis jetzt fehlen und die du laut Ausbildungsrahmenplan schon können müsstest. Gehe positiv in das Gespräch und sage gleich zu Anfang, dass es dir nicht darum geht zu kritisieren, sondern vielmehr darum, deinen Beruf richtig zu lernen. Schalte außerdem (falls vorhanden) den Betriebsrat ein.
2. Wenn das Gespräch nichts bringt, solltest du den Ausbilder schriftlich auffordern. Hebe eine Kopie des Schreibens auf. Hier ist ein Musterbrief:
Sehr geehrter Herr/Frau ____________,
laut § 14 Berufsbildungsgesetz müssen Sie mich entsprechend des gesetzlichen und betrieblichen Ausbildungsplans ausbilden. Ich habe jedoch wichtige berufliche Fertigkeiten noch nicht erlernt, die ich zum jetzigen Zeitpunkt meiner Ausbildung längst beherrschen müsste. Einige Beispiele:
- (Berufliche Fertigkeiten)
- (Berufliche Fertigkeiten)
Ich fordere Sie hiermit schriftlich auf, mir die gesetzlich vorgeschriebenen Inhalte zu vermitteln und mache Sie darauf aufmerksam, dass Sie schadensersatzpflichtig werden können, wenn Sie sich als Ausbilder nicht an Ihre gesetzlichen Pflichten halten.
Mit freundlichen Grüßen,
Unterschrift Azubi ____________
3. Wenn auch das nichts bringt und sich deine Ausbildungssituation nicht verbessert, solltest du dich an deine Gewerkschaft vor Ort wenden und dir rechtliche Unterstützung holen. Hier ist ein Kontakt in deiner Nähe:
IG BAU - Bezirksverband Westfalen Mitte-Süd
Bismarckstr. 17-19
59065 Hamm
T: 02381 12025
F: 02381 1 56 55
E: hammE-Mail-Adresseigbau.de
Da kannst du einfach anrufen, nach einem Jugendsekretär fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....
Außerdem könntest du dich an einen Ausbildungsberater der Kammer/Innung wenden und mit ihm ein persönliches Gespräch vereinbaren, denn die sind dafür da, die Ausbildung in den Betrieben zu kontrollieren.
Viel Erfolg! Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!
Liebe Grüße,
Dr. Azubi
P.S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!