Liebe Leserinnen und Leser,

hier ist der erste Newsletter des Jahres 2010. Auch wenn der Bildungsstreik aus dem Fokus der Medien geraten ist, gibt es vieles, über das berichtet werden kann und muss. So sind u.a. eine Reihe an lesenswerten Studien erschienen, auf die wir euch hinweisen möchten. Aber auch die für Studierende relevanten Veränderungen 2010 möchten wir euch nicht vorenthalten. Im letzten Abschnitt findet ihr einen Überblick über Workshops und Seminare in nächster Zeit sowie eine Hör- und Leseempfehlung!

Es grüßen euch

Sabrina Klaus-Schelletter, Andreas Schackert, Janis Klusmann, Kolja Fuchslocher, Sören Becker

Hochschulpolitik und Bildungsstreik

Bundesweite Demo: Die Uni gehört Allen

Unter dem Motto "die uni gehört allen" findet am 30.01.2010 ab 14 Uhr eine bundesweite Demo in Frankfurt am Main statt. Den Aufruf und weitere Informationen dazu findet ihr hier.

Studiengebühren und Co

Das Saarland wird voraussichtlich schon zum Sommersemester 2010 die Studiengebühren wieder abschaffen. Dafür wird es wohl Gebühren für sog. Langzeitstudierende und das Zweitstudium geben. Mehr dazu hier.

In Thüringen sollen die Verwaltungsgebühren ab dem Sommersemester 2010 fallen. Für sog. Langzeitstudierende bleiben die Studiengebühren bestehen. Weitere Infos dazu hier.

BAföG

Am 13. Januar 2010 hat die Bundesregierung den neuen BAföG-Bericht beschlossen und die Bildungsministerin Annette Schavan die Eckpunkte der geplanten 23. BAföG-Novelle bekannt gegeben. Die Bedarfssätze sollen demnach um zwei Prozent und die Freibeträge um drei Prozent angehoben werden. Das Eintrittsalter für den Beginn eines Materstudiums soll von 30 auf 35 Jahre angehoben werden.

Die DGB-Jugend hält diese Ankündigung für einen richtigen, wenn auch viel zu zaghaften Schritt. Schon jetzt ist die Zahl der BAföG-Geförderten von 2005 bis 2009 um mehr als 10.000 Studierende gesunken. Auch kann die geplante Erhöhung die Inflationsverluste nicht ausgleichen. Auch der DGB und die GEW sind sich darin einig, dass die geplante Erhöhung des BAföGs nicht ausreicht und fordern mehr Mut. "Wir brauchen einen deutlich kräftigeren Anstieg der Freibeträge und Bedarfssätze, die Altersgrenze von 30 Jahren muss komplett gestrichen werden und der Ausbau des Schüler-BAföGs ist wünschenswert“, erklärt die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock. Andreas Keller von der GEW merkt dazu an, dass gerade einmal 17% der Studierenden derzeit in den Genuss einer BAföG-Förderung von durchschnittlich 321,- € monatlich komme.

Die PM des DGB befindet sich hier, ein kurzer Kommentar von Andreas Keller (GEW) hier. Das gemeinsame Eckpunkt-Papier zur BAföG-Reform von DGB und Studentenwerk ist hier.

Neue Studien

Eine Reihe an neuen sowie äußerst informativen Untersuchungen ist veröffentlicht worden.

Eine aktuelle Studie der HIS beschäftigt sich mit den "Ursachen des Studienabbruchs in Bachelor- und in herkömmlichen Studiengängen". Finanzielle Gründe und Überforderung spielen in den neuen Studiengängen dabei eine nicht unbedeutende Rolle. Die Studie wird auf Grund ihrer Brisanz sehr unterschiedlich interpretiert. Während das Bundesministerium für Bildung und Forschung die Erfolge der Reform betonen, findet sich hier eine kritische Zusammenfassung der Ergebnisse der HIS-Studie. Die PM der HIS sowie die komplette Studie können hier gesichtet werden.

Im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung ist eine Untersuchung zur aktuellen Situation der Lehrer/-innenausbildung veröffentlicht worden. Der Autor Jürgen Oelkers kommt dabei zu folgenden Schlussfolgerungen: "Die Lehrerbildung in Deutschland krankt an mangelnder Abstimmung zwischen den Ausbildungsphasen und an fehlender Qualitätssicherung bei gleichzeitiger Überregulierung. Die Bologna-Reformen haben die föderale Heterogenität noch einmal verstärkt." Die komplette Studie kann hier gesichtet werden.

Dass staatliche Zwangsdienste wie die Wehrpflicht den Zugang zur Hochschulbildung erschweren und ein Bildungshemmnis darstellen, belegt eine Studie des Forschungsverbunds CESifo. Die DGB-Jugend fordert bereits seit längerem die Abschaffung der Wehrpflicht und stattdessen eine Förderung von Freiwilligendiensten. Weitere Informationen über die Studie des arbeitgebernahen Institutes CESifo sind hier, die Studie (engl.) gibt es hier. Die aktuelle von der DGB-Jugend unterstütze Petition zur Abschaffung der Wehrpflicht liegt hier.


Infos für das Campus Office

Änderungen 2010

Die wichtigsten Änderungen 2010  rund um Kindergeld, Unterhalt und Einkommenssteuer haben wir für euch hier zusammengestellt!

SGB II

Zum Einen möchten wir euch an dieser Stelle auf eine ppt-Präsentation der DGB-Jugend Sachsen hinweisen, die einen kurzen und guten Überblick über SGB-II Leistungen im Studium bietet. Sie befindet sich hier im Intranet.

Zum Anderen möchten wir euch anlässlich des Regelsatzüberprüfungsverfahrens vor dem Bundesverfassungsgericht noch einmal darauf aufmerksam machen, dass die Möglichkeit besteht, die bestehende Bescheide rückwirkend anzufechten Mittels eines Überprüfungsantrages nach § 44 SGB X. Davon wurde bundesweit reichlich gebrauch gemacht, so dass viele JobCenter extra Ressourcen bereitgestellt haben, um die Anträge  zeitnah abzulehnen. Gleichzeitig hat die Bundesagentur die JobCenter angewiesen, die Quote der stattgegebenen Widersprüche 2010 von über 60% auf 30% zu senken. Entsprechende Informationen, Musteranträge und Musterwidersprüche befinden sich hier, hier und hier.

Zu guter Letzt wollen wir auf eine kritische Zusammenfassung des DGB anlässlich des 5-Jährigen Geburtstages von Hartz IV hinweisen.

Petition zur studentischen Krankenversicherung

Das Ende des 14. Fachsemesters bzw. des 30. Lebensjahres bringt für Studierende, die in einer gesetzlichen Krankenversicherung versichert sind,  massive Mehrkosten für die Krankenversicherung mit sich. Auch Studierende, die erst nach dem 30.Lebensjahr anfangen zu studieren, sind davon betroffen. Der Name dieses Phänomens lautet "freiwillige Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung", die aber nicht freiwillig, sondern Pflicht ist...

Um diesen Zustand zu verändern hat der AStA der Uni Münster eine Online-Petition gestartet. Diese kann noch bis zum 28.01.10 hier unterzeichnet werden. Weitere Informationen dazu findet ihr hier.


Neues vom saw-Team

Termine

29.- 31.01.2010; Bad Orb: "Studium und Beruf - Hindernisse  gekonnt meistern" (IG-Metall)

29.- 31.01.2010, Würzburg: "Zur Beratung, Orientierung und Integration ausländischer Studierender - Entwicklungen im AusländerInnenstudium 2009/2010" (GEW). Nähere Informationen und Anmeldung über Brigitte Eschenbach (Brigitte.Eschenbach@gew.de)

11.02.2010, Hannover: Praxistagung "Studierende im Betrieb" (IG-Metall)

17.02.2010, Stuttgart: Praxistagung "Studierende im Betrieb" (IG-Metall)

18.-20.02.2010, Saalfeld: "10 Jahre Bologna, 5 Jahre Bachelor -Erfahrungen und Perspektiven mit den neuen Studienabschlüssen" (ver.di)

19.-21.02.2010, Hamburg: "Professionell beraten – Ein sozialpolitische Schulungs-Seminar für erfahrene BAFöG-BeraterInnen und SozialreferentInnen" (GEW). Nähere Informationen und Anmeldung über Brigitte Eschenbach (Brigitte.Eschenbach@gew.de)

21.-26.02.2010, Mosbach: "Hochschule in Deutschland – Privileg des Bildungsbürgertums?" (ver.di)

24.-25.02.2010, Berlin: "Leitbild für eine Demokratische und Soziale Hochschule" (Hans-Böckler-Stiftung)

01.-05.03.2010, Hattingen: "Arbeits- und sozialrechtliche Anfangsberatung für Studierende - Einführungsseminar" (DGB-Jugend)

19.-21.03.2010, Friedrichshafen: "fzs-Winterkongress" (fzs)

24.-26.03.2010, Hattingen: "Impuls-Konferenz für Aktive in der Studierendenarbeit" (DGB-Jugend)

01.-04.04.2010, Steinbach: "BAföG für alle – Ein sozialpolitisches Grundseminar für BAföG-BeraterInnen und SozialreferentInnen" (GEW). Nähere Informationen und Anmeldung über Brigitte Eschenbach (Brigitte.Eschenbach@gew.de)

09.-11.04.2010, Hattingen: "Arbeits- und sozialrechtliche Anfangsberatung für Studierende - Aufbauseminar" (DGB-Jugend)

Hörempfehlung

Heute: DRadio Wissen.

Es gibt seit dem 18. Januar einen neuen Radio-Wissenschafts-Sender mit dem Namen DRadio Wissen. Hierbei handelt es sich um das dritte Programm unter dem Dach von Deutschlandradio neben Deutschlandfunk und Deutschlandradio Kultur.

Nach dem Motto "Hirn will Arbeit" heißt es in der Selbstdarstellung:  "DRadio Wissen wird einen eigenen Klang haben. Das reicht von der Moderation bis zur elektronischen Musik, die bekannte Musiker für uns komponiert haben. Eines bleibt gleich: Es wird dem Qualitätsanspruch gerecht werden, den Sie von Deutschlandfunk und Deutschlandradio Kultur gewohnt sind."

Weitere Informationen über den neuen Sender sowie hörbar ist dieser hier.

Literaturempfehlung

Heute: "Handbuch für Unihasser" von Armin Himmelrath.

Kurzbeschreibung:

Willkür, Bürokratie, Chaos, Eitelkeit - willkommen an der Universität!

Wer in diesen Tagen an die Uni kommt, lernt schnell - leider vor allem, sich alleine durchzuschlagen: Verworrene Internetauftritte, dicke Studienordnungen und unfreundliche Sekretariate ersticken jeglichen Enthusiasmus schon im Keim. Wenn das Studium begonnen hat, wird es kaum besser:  Warum finden Sprechstunden so selten statt, dass sie grundsätzlich hoffnungslos überfüllt sind? Und wie kann man die Willkür in puncto Leistungsanforderungen erklären? Wer es bis zum Examen schafft, wird mit einer geballten Ladung Bürokratie belohnt.

Armin Himmelrath berichtet aus einer Welt bemerkenswerter Ineffizienz und bürokratischen Wahnsinns. Die haarsträubenden Geschichten handeln von Professoren, wissenschaftlichen und nichtwissenschaftlichen Mitarbeitern und Studenten. Und von Strukturen, die Lernen ebenso erschweren wie Lehren. Die Diagnose lautet: unbedingt reformbedürftig - doch bitte nicht durch simples Umetikettieren!


Impressum

Dies ist der Newsletter der DGB-Jugend im DGB Bundesvorstand, Henriette-Herz-Platz 2, 10178 Berlin, zum Thema Studium. Er erscheint ca. 2 mal im Monat und informiert über aktuelle hochschul- und sozialpolitische Themen, Termine und Ereignisse sowie entsprechende Seminare und Workshops. Um den Newsletter zu abonnieren oder das Abonnement zu kündigen, so ist das hier möglich. Die Redaktion ist unter studienjob@dgb.de zu erreichen.